Feedbackregeln - jeder kennt`s, keiner kann`s?!

Wie ich achtsam Feedback gebe und nehme: Die A.E.I.O.U.-Feedbackfragen©

Wir alle wissen: Feedback unterliegt bestimmten Regeln, die eingehalten werden sollen, damit es wertschätzend und konstruktiv vermittelt und aufgenommen werden kann.

Wir alle wissen auch: Selten hält sich jemand im täglichen Kommunikationsgeschehen wirklich an diese Regeln, die meisten kennen sie womöglich gar nicht oder hören sie einmal in einer Weiterbildung und vergessen sie dann im täglichen Leben sofort wieder. Wertschätzend und konstruktiv läuft im Feedback-Alltag oft gar nix mehr ab.

 

Tich Nhat Hanh beschreibt in seinem Buch "Achtsam sprechen, achtsam zuhören - Die Kunst der bewussten Kommunikation" zwei Schlüssel zu einer mitfühlenden Kommunikation:

 

"Es gibt zwei Schlüssel zu einer wirksamen, wahren Kommunikation. Der erste ist achtsames Zuhören. Der zweite ist liebevolles Sprechen. Achtsames Zuhören und liebevolles Sprechen sind die besten Instrumente, die ich kenne, um einen Kontakt zu anderen herzustellen, die Kommunikation zu verbessern oder wieder in Gang zu bringen und das Leiden zu mindern. ... Hören wir jemandem mit der Absicht zu, dieser Person zu helfen, weniger zu leiden, dann ist das achtsames Zuhören. Hören wir mitfühlend zu, verstricken wir uns nicht in unseren Urteilen. Vielleicht spüren wir in uns Beurteilung, aber wir halten daran nicht fest. Achtsames Zuhören besitzt die Kraft, uns dabei zu helfen, einen Augenblick der Freude, des Glücks zu schaffen und mit schwierigen Gefühlen umzugehen. ... Liebevolles Sprechen nennen wir ´Rechte Rede`, weil wir wissen, dass Leiden durch ´unrechte Rede` entsteht. Unwahre, unfreundliche oder gewalttätige Worte können viel Leid verursachen. Unrechter Rede mangelt es grundsätzlich an Offenheit, Verständnis, Mitgefühl und Versöhnung. ... Praktizieren wir Rechte Rede, fühlen wir uns in unserem Körper und unserem Geist wohl, und dem, der uns zuhört, geht es ebenfalls gut."

 

 

Um uns darin zu üben, im Feedback achtsam zuzuhören und rechte Rede zu praktizieren, habe ich jeweils 5 unterstützende Fragen zusammen gestellt: die A.E.I.O.U-Feedbackfragen.

Die A.E.I.O.U.-Feedbackfragen© zur Unterstützung beim Feedback Geben:

 

AUTHENTISCH: Ist mein Feedback authentisch? Sind das wirklich meine Worte hinter denen ich 100%ig stehe oder übermittle ich ein Feedback einer anderen Person?
 
ERWÜNSCHT: Ist mein Feedback erwünscht? Habe ich mit meinem Gegenüber geklärt, dass er/ sie ein Feedback von mir möchte oder will ich nur meine Meinung loswerden?
 
INTENTION: Welche Intention liegt meinem Feedback zu Grunde? Möchte ich meine Wertschätzung durch diese Form des Austauschs zum Ausdruck bringen (was nicht bedeutet, gleicher Meinung mit dem Gegenüber zu sein) und aus einer wohlwollenden Haltung dem anderen etwas zurückmelden? Oder will ich meinem Gegenüber aufdrängen, was ich für richtig und passend halte? Möchte ich mit meinen Worten nützen oder habe ich die Intention zu schaden oder gar zu verletzen? 


ORT, ZEIT, MEDIUM: Ist Ort, Zeit und Medium passend für dieses Feedback? Ist das Feedback zeitnah (was nicht immer sofort bedeutet), ist jetzt der richtige Moment und der passende Ort für dieses Feedback? Und habe ich das für dieses Feedback angemessene Medium gewählt (Email, Telefon, SMS, persönliches Gespräch)?


UMGEKEHRT: Wie würde ich auf dieses Feedback reagieren? Könnte der/ die andere mir dieses Feedback in dieser Form geben und ich würde es - unabhängig vom Inhalt- als angemessen, wertschätzend und konstruktiv erleben?

Die A.E.I.O.U.-Feedbackfragen© zur Unterstützung beim Feedback Nehmen:

 

AUTHENTISCHFühle ich mich mit diesem Feedback wirklich gemeint? Habe ich das Gefühl, mein Gegenüber hat mich wirklich gesehen und gehört oder hat das Gesagte viel mehr mit ihr/ ihm zu tun als mit mir? Falls ich mich nicht gemeint fühle, kann ich erst einmal bei dieser Wahrnehmung bleiben, ohne sofort in verbale Erklärungen zu verfallen?


ERWÜNSCHT: Habe ich klar kommuniziert, ob ich ein Feedback möchte oder nicht? Bin ich wirklich bereit für dieses Feedback, so dass es mir nützen kann oder denke ich, dass ich dieses Feedback über mich ergehen lassen muss, weil das irgendwie dazu gehört oder ich sonst "mein Gesicht verliere"? Gebe ich mir eine Wahl auch zu kommunizieren, dass ich jetzt kein Feedback möchte?


INTENTION: Mit welcher Intention höre ich dem Feedback zu? Bin ich offen für das Erleben einer anderen Person? Kann ich eine andere Wahrnehmung respektieren? Oder bin ich von Anfang an in Verteidigungshaltung und innerlich verschlossen für eine andere Wahrnehmung als meine eigene? Höre ich mitfühlend mit dem Sprecher und frei von Urteilen zu? Wenn nicht: was brauche ich, um eine offene und wertschätzende Haltung als Feedback-Nehmer einzunehmen?

ORT, ZEIT, MEDIUM: Ist Ort, Zeit und Medium passend für dieses Feedback? Habe ich mich mit meinem Gegenüber darüber ausgetauscht, ob das Feedback für uns beide hier und jetzt und auf diesem Weg passend ist?

 

UMGEKEHRT: Wie wünsche ich mir die Haltung eines Feedback-Nehmers? Verhalte ich mich beim Feedback-Nehmen so, wie ich es mir von jemand anderem auch wünschen würde, dem ich Feedback gebe?

 

 

©Jasmin Schott Carvalheiro

Praxis für Psychotherapie, Coaching & Achtsamkeit

Dipl.-Psych. Jasmin Schott Carvalheiro

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